Kolumne laut gedacht: Gemischte Gefühle, Umzug, Interior Blog Valerie Gerards
Laut gedacht

Gemischte Gefühle | Über Höhen und Tiefen beim Umziehen

Beinahe hätte ich die Hoffnung aufgegeben, in Mannheim eine Wohnung zu finden – ich habe uns schon heimlich im Büro übernachten und im Schwimmbad duschen sehen. Nun, DAS wird nicht passieren. Die neue Adresse ist klar, und der Abschied rückt in greifbare Nähe; ein Neuanfang auch. Wie sich das anfühlt?

Als ich aus meinem Heimatdorf in der Nähe von Paderborn weggezogen bin, haben mir einige Freunde anvertraut, dass ein Umzug für sie eine grauenvolle Vorstellung sei. Alles ausräumen, einpacken, abbauen. Neue Wohnung, neuer Job, neue Freunde, neue Wege. Einige dieser alten Freunde haben ihren Ort bis heute nicht verlassen und würden eher in eine evangelische Kirche gehen, als dem Erzbistum den Rücken zu kehren. Das ist jetzt acht Städte her.

Seither habe ich in jeder Stadt verwurzelte Menschen kennengelernt, denen es genauso geht. Ich beneide sie manchmal. Es muss wundervoll sein, an einem Ort aufzuwachsen, die Veränderungen der Jahrzehnte zu erleben, alle Namen zu kennen. Wenn man lange genug an einem Ort lebt, wird man zu diesem Ort, sagt die legendäre Filmfigur Rocky Balboa. Ein schönes, ein romantisches Zitat, das bei mir den Wunsch nach etwas weckt, das ich nunmal nicht habe: Wurzeln.

Was andere am Umziehen hassen, mag ich. Ich mag den Zauber eines Neubeginns und Veränderungen aller Art. Ich liebe es, Grundrisse mit all unseren Sachen auf Millimeterpapier zu zeichnen (es ist sehr hilfreich, wenn man am Umzugstag den Menschen mit den Muckis sehr genau sagen kann, was sie wo abstellen sollen!). Ich liebe es, auszumisten und mich wieder einzurichten. Und schließlich bringt einen ein Umzug dem Ziel näher, für das man sich den ganzen Stress überhaupt antut. Einfach ist es trotzdem nicht. Manches ist wirklich schwierig zu bewältigen. Im Abschied nehmen zum Beispiel bin ich richtig schlecht. Darum sind meine Gefühle momentan ziemlich gemischt.

Es fühlt sich an wie Fallschirmspringen.

Während das Flugzeug höher steigt, steigt die Anspannung. Da ist ganz viel Freude. Vorfreude auf das Abenteuer. Und auch ein bisschen Angst.

Die Zeit scheint sich zu dehnen.

Scheint zu flüstern, dass es noch nicht zu spät ist, umzukehren.

Dass man gar nicht springen muss. Dass man auch einfach auf dem Sitz hocken bleiben kann.

Stimmt, man muss nicht. Aber man will. Mutig sein, Neues erleben, Möglichkeiten austesten.

Dann springt man.

Und es ist wunderschön.

Dinge, die vorher groß und wichtig waren, kann man für einen kurzen Moment mit etwas Abstand betrachten. Sieht die Erdkrümmung und erkennt, wie nah alles zusammenliegt. Man gewinnt eine neue Perspektive.

Ich lande erstaunlich sanft auf dem Hinterteil. Ich bin zurück auf der selben Erde. Sie hat sich nicht verändert, ich aber schon. Die neue Sicht auf die Dinge behalte ich und kann mich daran erinnern, wann immer ich will. Meine Freunde sind nur eine Erdkrümmung weit entfernt. Ich frage mich, warum Abschiede mich trotzdem noch traurig machen.

P.S.: Wir haben unsere Wohnung ganz ohne unanständige Tricks gefunden 😉

Hier geht es zu Beitrag vier der Umzugsserie: Die 7 schlimmsten Fehler beim Umziehen und wie du sie vermeidest.

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