Homestory Bülent Ceylan
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Homestory | So lebt Bülent Ceylan

Wenn einer der bekanntesten Comedians Deutschlands sich darauf einlässt, mir für meinen kleinen, als Herzensprojekt entstandenen Blog ein Interview zu geben, dann geht mein Puls doch ein bisschen schneller. Vor lauter Vorfreude erzähle ich meiner kleinen Schwester von der Sache und will wissen, ob sie eine spezielle Frage an ihn hat (sie schmeißt sich bei Bülent regelrecht weg vor lachen). Frag ihn, ob du ihm die Haare kämmen darfst, sagt sie. Nun, das mache ich garantiert nicht! Dafür aber 20 andere Dinge, die ich über den Mann mit dem „rabenschwarzen Prinzessinenhaar“ wissen will. Ich freue mich wie bolle, dass Bülent Ceylan mit mir über seine Arbeit, seine Familie und sein Zuhause spricht.

Ist es nicht großartig, nach zwei Jahren endlich wieder auf Tour gehen zu dürfen?

Ja, absolut. Das ist ein ganz tolles Gefühl, wieder ein Live-Programm zu machen. „Luschtobjekt“ hatte ja 2020 Premiere. Alle fanden es richtig toll, Januar und Februar waren super, und dann kam der März. Ich weiß noch wie die Veranstalter gesagt haben, dass jetzt wohl zwei, drei Wochen alles geschlossen sein wird und dann würde es wieder losgehen. Aber dann hat es zwei Jahre gedauert. Das war keine schöne Zeit, auch psychisch. Das Einzige, was man mitnehmen kann aus dieser Corona-Zeit, ist, dass wir den Moment mehr genießen sollten.

Wie bist du als Künstler mental durch die Pandemie gekommen, ohne auftreten zu können?

Ich habe wie ein Stehaufmännchen geguckt, was ich tun kann, was für mich psychisch sehr wichtig war. Ich habe geschrieben, Podcasts aufgenommen und viel im Fernsehen gemacht. Ich kann nicht einfach nur zu Hause sein, obwohl die Zeit mit meinen Kindern toll und intensiv war. Aber für die Kinder war es ja auch nicht so toll mit Homeschooling und den ganzen Einschränkungen.

Du interagierst auf der Bühne stark mit deinem Publikum, was bei einem Podcast und im Fernsehen aber nicht möglich ist.

Stimmt, das hat man nicht. Das Gute war nur, dass ich Zeit für mein Buch („Ankommen. Aber wo war ich eigentlich?“ Anm. d. Red.) gehabt habe, das ich schon lange schreiben wollte. Dass es dann sogar ein Spiegel-Bestseller wurde, war natürlich toll. Eine Tür ging zu, eine andere ging auf. Wir haben diese Zeit jetzt erlebt und ich hoffe, dass sie nicht nochmal wiederkommt. Die eine Krise ist vorbei; und jetzt haben wir aber Krieg mitten in Europa, das ist schlimm!

Wie schwer ist es für dich, in dieser Situation deinen Humor nicht zu verlieren.

Man muss trotzdem versuchen, irgendwie weiterzumachen. Es bringt nichts, sich zu verkriechen. Die Leute wollen sich ablenken, mal zwei, drei Stunden den Kopf freikriegen. Das ist der Job von uns Komikern, die Leute einfach mal zum Lachen zu bringen. So schlimm es ist, das zu sagen: Krieg ist ja immer. Wann gab es denn mal gar keinen Krieg auf der Welt? Man gewöhnt sich an gewisse Situationen und an Bedrohungen. Wir sollten aber trotzdem versuchen, den Tag immer wieder zu genießen.

Das ist nicht immer leicht. Man hat ja irgendwie ein schlechtes Gewissen, wenn schlimme Dinge auf der Welt passieren und wir selbst so ein Glück haben, dass wir hier in Sicherheit sind und es so guthaben. Ich finde es trotzdem wichtig, dass man schöne Dinge immer noch in sein Leben hineinlassen kann.

Ja, absolut! Und als Erwachsener muss man den Kindern auch schöne Dinge vorleben. Ob das ein Besuch im Europapark ist, ein schöner Waldspaziergang oder ob man einfach nur zusammen Lego spielt.

Oder eine Comedy-Show! Am 10. Juni wirst du übrigens in meiner alten Heimat Bochum spielen. Die werden sich bei dem Shownamen „Luschtobjekt“ garantiert verlesen …

(lacht) Ja, ja, Lutschobjekt, ne? Die Männer lesen es richtig, aber die Frauen … Dabei könnte ich so ein Programm gar nicht machen, da wäre ich ja in aller Munde – haha! Bei diesem Programm mache ich mich zum Lustobjekt, es spielt auf die Sexismus- und Me-Too-Debatten an, und es geht um den Schönheitswahn mit den ganzen Insta-Filtern. Es kann ja wohl nicht sein, dass Frauen als Objekte betrachtet werden. Natürlich gibt es auch die Nummern mit Anneliese (Bülents Alter Ego, Anm. der Red.), bei denen es richtig auf die Zwölf gibt. Aber es ist auch ein sehr persönliches Programm, bei dem es um meine Kinder und meine Familie geht.

Gibt es bei Familie Ceylan ein Handyverbot bei Tisch?

Ja. Im Hotel sehe ich manchmal Kinder, die am Frühstückstisch schon einen Film auf dem I-Pad gucken, damit die Eltern in Ruhe frühstücken können. Sowas gibt’s bei uns nicht. Wir sind eine Familie, und wenn die Kinder halt mal unruhig sind, müssen sie trotzdem lernen, dass wir jetzt zusammensitzen. Am Tisch etwas malen oder spielen, das können sie ja machen. Aber nicht die Kinder auf einen Bildschirm fixieren. Bei einer Autofahrt dürfen sie schon etwas gucken, ich lebe ja nicht im 18. Jahrhundert. Aber der Medienkonsum bei Kindern nimmt so überhand. Ich bin froh, dass meine Frau so sehr darauf achtet, dass Fernsehen immer noch etwas Besonderes ist.

Dieses Verbieten, auch wenn es anstrengend ist, hat ja vor allem etwas mit Liebe und Verantwortung zu tun.

Natürlich! Dasselbe gilt für Süßigkeiten am Abend, die gibt’s bei uns nicht mehr. Das sind die Dinge, für die unsere Kinder später hoffentlich Danke sagen. Es ist uns auch wichtig, dass unsere Kinder einen Realitätssinn haben und dass sie nie abwertend gegenüber anderen sind. Wir haben jetzt ein großes Haus, aber ich bin ganz anders aufgewachsen und meine Frau auch. Wir haben viele Freunde, die eine normale Wohnung haben. Wir sagen unseren Kindern regelmäßig, dass nicht jeder so lebt. Unsere Kinder wissen vieles zu schätzen.

Wie ist eigentlich die Rollenverteilung bei euch?

Meine Frau ist mehr zu Hause als ich, aber ich bewundere Hausmänner genauso wie Hausfrauen. Ob die Frau mehr verdient oder mehr arbeiten will und der Mann zu Hause bleiben will oder andersherum, das ist totale Abstimmungssache. Ich finde, das muss jedes Pärchen für sich absprechen – dann ist es auch nicht irgendwie Macho oder konservativ, wenn der Mann mehr arbeitet als die Frau.

Kannst du mit Humor andere Sichtweisen eröffnen, zum Beispiel auf die Gender-Debatte oder Rassismus?

Homestory Komiker Bülent Ceylan
Foto: Gaudenz Danuser

Ja, das hoffe ich immer. Wenn man da einen Fehler macht, kann man sich immer noch entschuldigen. Ich habe ja auch immer die Botschaft im Programm, dass am Ende zählt, wie man sich als Mensch anderen gegenüber verhält, dass wir empathisch miteinander umgehen. Dann kann man sich auch über Vieles lustig machen. Wenn ich als Mompfred etwas Rassistisches sage, wissen die Leute, dass es eine Persiflage ist. Das ist eine Möglichkeit, die Leute wachzurütteln zu bestimmten Themen, denn am Ende ist ganz klar, dass ich für Integration und gegen Rassismus stehe.

Wegen deiner türkischen Wurzeln darfst du auf ganze andere Dinge zeigen als jemand mit deutschem Namen.

Das ist einer meiner Gags: Wenn ein Deutscher von euch sowas sagen würde, heißt es gleich Rassist, bei mir heißt es multi-kulti. Das ist schon interessant.

Wenn du auf Tour bist, auf was legst du in Hotels dann besonders Wert?

Eine zu weiche Matratze oder laut wie in einer Jugendherberge, das möchte ich nicht unbedingt erleben. Ich lege gar keinen Wert auf die Sterne, das kann auch eine tolle Pension sein, aber ein gewisser Standard fängt meist erst bei drei, vier Sternen an. Wenn ich viel unterwegs bin, muss ich wirklich gut ausgeruht sein. Ich lege Wert auf ein gutes Frühstück, dass es sauber ist, und ich gehe morgens gern mal auf den Stepper.

Was machst du als erstes, wenn du nach Hause kommst?

Hände waschen.

Was ist dein liebstes Möbelstück?

Ein richtiges Lieblingsstück habe ich nicht. Eine Couch finde ich ganz wichtig, weil ich es liebe, Gäste zu haben. Gäste sollen sich bei uns wohlfühlen, ich will am liebsten, dass die Gäste bei uns besser schlafen als ich. Deswegen ist auch das Gästebett ganz wichtig. Meine Mutter schläft bei uns so lange, dass wir manchmal die Kinder zur Oma reinschicken. Für Kinder und Gäste lohnt es sich wirklich, ein Haus und einen Garten zu haben. Ich könnte sonst auch im Hotel wohnen wie Udo Lindenberg.

Ich bin ein bisschen neidisch auf dich: Du hast ja seit kurzem sogar einen eigenen Wein! Wo wird der neue „Bülent blanc“ getrunken?

Der wird zu Hause getrunken, abends, wenn die Kinder im Bett sind. Ich durfte den ja mitkreieren, und wollte, dass es ein leichter Wein wird, der nicht sofort in den Kopf steigt. Der Wein ist wirklich so geworden, wie ich ihn haben wollte! Ich finde, Weißwein muss man genießen und in Maßen trinken, so dass es nie schädlich wird.

Beschreib doch mal deinen Einrichtungsstil.

Es gibt ja Häuser, in denen viel herumsteht – das ist bei uns nicht so, wir mögen beide keine Staubfänger oder wenn es allzu kunterbunt ist.

Wer hat beim Einrichten die Hosen an?

Wir gleichen uns in vielen Sachen aus, aber beim Einrichten sagt meine Frau „Finger weg“ und da mische ich mich nicht ein. Es ist mir gottseidank komplett egal, ich hab da wirklich gar keinen Geschmack. Es gefällt mir natürlich, wenn es schön eingerichtet ist. Meine Frau liebt das Einrichten und das kann sie einfach. Sie hat einfach so einen tollen Geschmack!

Vielen Dank für das schöne Interview, lieber Bülent!

Am 18. und 19. Juni ist Bülent Ceylan live in der SAP-Arena in Mannheim zu sehen. Nicht verpassen!

Bülents Cuvée kann man übrigens hier kaufen – für den Tipp bezahlt mich niemand, der Link dient nur eurer Information, falls ihr Durst bekommen habt.

Titelfoto: Gaudenz Danuser

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