Antikolis Interview und Epochenkunde
Design

Crossover Stilmix: Noch nie war Antik so modern

Es gibt ja Menschen, die sind geradezu besessen von schönen alten Möbeln. Ich zum Beispiel. Neulich bin ich über etwas gestolpert, das meinem interiorverliebten Herzen einen Hopser beschert hat: Ein nagelneuer online-Marktplatz für Vintagemöbel und Antiquitäten! Ihr wisst ja, dass ich süchtig bin nach Ebay-Kleinanzeigen und Facebook-Marketplace, aber diese Schatzsuche ist immer zeitaufwendig und nicht immer erfolgreich. Das wissen wohl auch die beiden Gründer Frederik Astagneau und Daniel Kutzki, die Antikolis vor etwa einem Jahr aus der Taufe gehoben haben. Im Interview verrät Frederik, woran man Antiquitäten erkennt, wie man antik und modern einrichten kann und welche Epochen man besser nicht mixen sollte.

Wusstest du, dass wir eine Gemeinsamkeit haben? Wir beide lieben offensichtlich Vintagemöbel und Antiquitäten …

Oh, dann bin ich ja genau richtig bei dir! Ja, Vintagemöbel und Antiquitäten sind in jedem schönen Zuhause ein absolutes „Must-Have“. Richtig in Szene gesetzt können sie wahre Hingucker sein und verleihen der Einrichtung etwas Individuelles und das gewisse Etwas!

Was gefällt dir so an alten Möbeln?

Naja, dazu muss ich sagen, dass das Handwerken mit Holz seit je her zu meinen großen Hobbies zählt. Mit großer Leidenschaft werke und tüftle ich seitdem ich ein kleiner Junge war. So habe ich von Baumhäusern über Möbel, bis hin zu einem traditionellen Fachwerkhaus, welches ich letztes Jahr fertiggestellt habe, schon fast alles gebaut, was man sich vorstellen kann. Ich liebe die Herausforderung daran und die Möglichkeit sich kreativ zu entfalten.

Und so fand ich schließlich Gefallen an alten/antiken Möbeln. Ich finde es wahnsinnig spannend wie viel Arbeit und Liebe in jedem einzelnen Möbelstück steckt. Die Vorstellung, wie damals gearbeitet wurde fasziniert mich einfach. Man muss sich nur einmal vorstellen, dass das Holz auf Kutschen in die Werkstätten transportiert und ohne die Hilfe elektronischer Werkzeuge, ausschließlich bei Tageslicht verarbeitet wurde.

Absolut, das finde ich auch so faszinierend! Ich liebe die Geschichte, die allein aufgrund dieser vielen Arbeitsschritte und der Mühe in jedem antiken Möbelstück steckt.

Ja, es wurde sehr viel Zeit investiert. In jeder noch so kleinen Holzverbindung musste so akkurat gearbeitet werden, da man schlichtweg nicht die Winkel, Schrauben und Nägel hatte wie heute. Durch diese aufwendigen und äußerst präzisen Arbeiten entstand eine sehr hohe Qualität, für die man heute bei einer Tischlerei viel Geld bezahlen müsste. Die Produkte sollten schließlich ein Leben lang halten und nicht bloß bis zum nächsten Umzug. Das fasziniert mich.

Wenn man online oder auf dem Flohmarkt auf Schatzsuche geht, wird vieles als „Antik“ angepriesen, was es gar nicht ist. Erklär doch mal bitte kurz: Was sind per Definition echte Antiquitäten?

Ein spannendes Thema, dem wir uns auch auf unserer Website angenommen haben. Meines Erachtens gibt es dazu kein richtig oder falsch. Für mich handelt es sich um Dinge künstlerischer oder handwerklicher Art, die es Wert sind, sie aufzubewahren. Wenn man sich in der Szene umhört, fällt oft die „100 Jahre-Regel“. Sprich, ein Gegenstand muss mindestens 100 Jahre alt sein, um als Antiquität betitelt zu werden. Sich dieser Regel partout anzuschließen und alles, was dieses Alter erreicht hat als Antiquität zu bezeichnen, finde ich etwas engstirnig. Nicht alles was damals gefertigt wurde ist von guter Qualität. Der Mensch hat auch schon vor der Industrialisierung lieblos minderwertige Ware hergestellt.

Für mich muss eine Antiquität natürlich ein gewisses Alter haben, aber eben auch einen bestimmten Schöpfungsgrad mit sich bringen, der es begründet dieses Stück aufzubewahren. Hierbei ist es mir völlig egal, ob es nun 80 Jahre oder 100 Jahre alt ist.

Was empfiehlst du jemandem, der zum ersten mal ein Möbelstück von der Oma erbt und nichts damit anzufangen weiß?

Haha gute Frage! Ich rate ihm, sich unbedingt unseren gleichnamigen Instagramkanal @antikolis anzuschauen. Dort kooperieren wir mit über 100 Privatpersonen, Bloggern und Fotografen und zeigen, wie man sich mit alten Dingen modern einrichten kann. Dabei arbeiten wir viel mit dem sogenannten „Crossover-Effekt“. Der beschreibt den Stilmix zwischen Altem und Neuem: Man „crosst“ sozusagen die Zeiten und erschafft eine eigene, ganz besondere Wohnatmosphäre.

Auf Eurer Website findet man Möbel und Accessoires aus den Epochen Barock, Biedermeier, Gründerzeit, Jugendstil, Art-Déco, Bauhaus und Midcentury. Welche Epochen würdest du mixen?

Also grundsätzlich denke ich, dass jeder sich so einrichten sollte, wie er sich am wohlsten fühlt. Da möchte ich gar nicht werten und sagen, was passt oder was nicht. Aber deine Frage bezog sich ja darauf, welches Mobiliar ich persönlich mixen würde. Und da denke ich, dass zunächst alle aufgezählten Epochen mit neu produzierten Produkten, mutigen Wandfarben und modernen Wohnelementen sehr gut zu kombinieren sind. Hier rate ich jedem mutig zu sein, es lohnt sich.

Bei den oben genannten Epochen untereinander, wäre ich insbesondere im gleichen Raum etwas vorsichtiger. Hier denke ich, dass die Epochen Barock, Gründerzeit und Jugendstil sich gut kombinieren lassen. Darüber hinaus passen meines Erachtens Möbel aus dem Art-Déco wunderbar zu Einrichtungsgegenständen aus der Biedermeier Zeit. Meine persönliche Lieblingskombination ist jedoch das Midcentury Zeitalter kombiniert mit neuen Elementen und dem einfachen Design des Bauhauses. Diese Kombination ist schlicht, modern und lässt sich auch mit einem kleineren Geldbeutel sehr gut verwirklichen.

Und welche passen überhaupt nicht zusammen?

Prinzipiell würde ich Stilrichtungen mit vielen Schnörkeln und Verzierungen nicht mit schlichteren Epochen vermischen. Da denke ich zum Beispiel an Möbel aus der Gründerzeit, die ich nicht mit den typisch schlichten Teakholz-Möbeln aus Dänemark aus dem Midcentury Zeitalter kombinieren würde. Form, Material und Farbe sind einfach zu unterschiedlich, sodass es echt schwer wird eine gewisse Balance und Ruhe im Raum zu schaffen. Aber auch hier lasse ich mich gerne vom Gegenteil überzeugen. Wenn das also jemandem gelingt, freue ich mich über Bilder, die ihr mir per Instagram schicken könnt.

Ich denke aber, dass der größte und meistgemachte Fehler darin besteht, dass Möbel zu eng aneinandergestellt werden und in Reih und Glied an der Wand salutieren müssen. Das ist insbesondere dann ein Problem, wenn es sich um alte Möbel handelt, bei denen jedes einzelne Stück seine ganz persönliche Geschichte erzählt. Macken, Schrammen und Dellen erzählen darüber, was diese Stücke bereits gesehen und miterlebt haben. Dafür benötigt es Raum, um all das wirken zu lassen.

Gibt es einen Grund dafür, dass ihr keine Perserteppiche auf eurem online-Marktplatz verkauft?

Nein, tatsächlich gibt es keinen Grund dafür. Nun muss man dazu sagen, dass wir ja noch ein sehr junger und kleiner Marktplatz sind, der erst im vergangenen Jahr gegründet wurde. Unter unseren aktuellen Händlern haben wir bisher noch keine Teppichhändler. Doch das ist nur eine Frage der Zeit. Ich schätze, dass du dich einfach noch ein bisschen gedulden musst, bis wir auch hier ein schönes Angebot haben. Ich freue mich genauso darauf, wie du!

Vielen Dank für das Interview, lieber Frederik!


Epochenkunde

(Quelle: Antikolis)

Barock

DIE ZEIT. 

Ende des 16., Anfang des 17. Jahrhunderts entwickelte sich ein hoch prachtvoller, aus Italien kommender Stil, der in den weitesten Teilen Europa seine Ausläufer findet. Aus dem Barock entstanden zahllose namhafte Bauten, wie unter anderem das Schloss von Versailles oder der Winterpalast in Sankt Petersburg, die zu den größten und bedeutendsten Kunstmuseen der Welt zählen. Das Barock-Zeitalter steht jedoch wie kaum eine andere Zeit für extreme Gegensätze. Während einige Menschen in Luxus gelebt, prunkvolle Schlösser und Kirchen errichtet wurden, haben andere gehungert, waren schwer krank und mussten unter Armut leiden. Die Menschen litten unter zahlreichen Kriegen, unter Anderem dem Dreißigjährigen Krieg (1618-1648), der Pest, die die Bevölkerung um ein Drittel reduziert hat. Eine Mittelschicht gab es kaum. Einzelne Herrscher verschafften sich eigenständig Macht über bestimmte Territorien. Bildung, Erziehung, Wirtschaft und Kirche waren mehr oder weniger vom Staat kontrolliert.

DER STIL.

Die Zeit des Barocks ist aufgrund ihrer langen Existenz von mehr als 150 Jahren sehr vielfältig. In Frankreich waren Stilrichtungen wie Louis-treize, Louis-quatorze, Régence und Louis-quinze prägend, wohingegen in anderen Ländern Europas erhebliche Unterschiede vorzufinden waren. Im Allgemeinen stehen jedoch prunkvolle und reich verzierte Möbel im Vordergrund, die mit aufwendiger Marketerie, einer Art Holz-Intarsien Arbeit/ Einlegearbeit aus Holz, geschmückt waren. Edle und aus heutiger Sicht hoch verschwenderische Materialien wie Schildpatt, Elfenbein und Perlmutt wurden verwendet und Oberflächen oder Beschläge teils vergoldet. Verschnörkelte Beschläge aus Kupfer oder Messing wurden häufig verwendet und gerne mit Ebenholz, eine sehr dunkle Holzart, verbaut.


Biedermeier

DIE ZEIT. 

Mit dem Wiener Kongress und der Gründung des Deutschen Bunds im Jahr 1814/1815 Begann das Zeitalter des Biedermeier in Deutschland. Im Allgemeinen spricht man von einer Zeitspanne von ungefähr 30 Jahren, die mit der blutigen Revolution im Jahr 1848/49 endete. Die Zeit war geprägt durch bürgerliche Aufstände und die aufstrebende Mittelklasse, die anfing für Ihre Rechte einzutreten. Vor Allem erkämpften sie sich Zugang zu Bildung; Universitätsvorlesungen wurden von nun an nicht mehr auf Latein gehalten, sondern auf deutsch. Mit der Eröffnung der ersten öffentlichen Buchläden, Leihbibliotheken und Museen wurde der Grundstein für eine unabhängigere Mittelschicht gelegt.

DER STIL.

Diese politisch und gesellschaftlich turbulente Zeit hatte seinen eigenen Möbelstil zur Folge, der vor allem von regionalen, bürgerlichen Schreinern geprägt wurde. Aufgrund der regionalen Entstehung haben unterschiedliche Regionen kann man heute anhand verschiedener Merkmale die genaue Herkunft ermitteln. Im Allgemeinen grenzen sich die Möbel durch den Verzicht von aufwendigen Intarsien und Co. von vorherigen Epochen ab. Es war die Zeit der Mittelschicht. Aufwendige und teure Handarbeiten wurden mehr und mehr durch Funktionalität und ausgewählte Furniere abgelöst.


Gründerzeit

DIE ZEIT. 

In den 1860er Jahren begann im Deutschen Reich ein wirtschaftlicher Aufschwung, der nach dem Deutsch-Französischen Krieg im Jahr 1870/1871 in einem regelrechten Wirtschaftsboom endete. Die Reparationszahlungen aus Frankreich (rund 4 Milliarden Mark) wurden genutzt, um die Industrialisierung anzutreiben. Zahlreiche Aktiengesellschaften wurden zu dieser Zeit gegründet, unter anderem die Deutsche Bank (1870), Commerzbank (1870) oder Dresdner Bank (1872). Doch nicht nur der Finanzsektor, auch die Schwerindustrie, Kohlebergbau, Maschinenbau und die Wohnungsbaugesellschaften erfuhren aufgrund zunehmender Urbanisierung ein kräftiges Wachstum. Gabe es vor 1870 nur 235 Aktiengesellschaften im Deutschen Reich, waren es 1890 etwa 3.000 Stück.
Der starke wirtschaftliche Aufschwung wurde bereits im Jahr 1873 durch Überbewertung von Aktien und Anlagen gebremst und endete im Gründerzeitcrash. Kursstürze und zahlreiche Konkurse führten vor allem bei Kleinanlegern zu großen finanziellen Verlusten und einer mehrjährigen wirtschaftlichen Depression. Trotz wirtschaftlicher Stagnation hielt die Gründerzeit bis zum Beginn des 20. Jahrhunderts an.

DER STIL.

Die zahlreichen Neugründungen führten unweigerlich zu Wohlstand und einer neuen Elite, die sich am Prunk und aufwendigen Lebensstil des Altadels orientierte. Man wollte zeigen was man hat. In Anlehnung an frühere Epochen wie dem Altdeutschen Stil, der Neo-Rennaissance oder dem Barock setzte man auf Luxus. Fabrikinhaber residierten in prunkvollen Landsitzen abseits der Fabrikgelände. Der bürgerliche Mittelstand, der meist in deutlich schlechteren Verhältnissen lebte, folgte diesem Trend und inszenierte ein Wohlstand, welcher häufig nicht die Realität widerspiegelte. Die Möbel waren geprägt von opulenten Aufsätzen und edlen Materialien wie Muscheln, Kapitellen und Diamantierungen. Oftmals wurden die Möbel jedoch gar nicht für den Alltag verwendet, sondern standen in Esszimmern, die nur bei Besuch genutzt wurden. Die Esszimmer blieben sonst unbeheizt was häufig zu Holwurmbefall an den Möbeln führte, der sich besonders wohl in kühlen und feuchten Räumen fühlt.


Jugendstil

DIE ZEIT. 

Die Epoche des Jugendstils war eine Kunstepoche, die sich zwischen dem 19. und 20. Jahrhundert abspielte. Sie fand weite Verbreitung in großen Teilen Europas. Verschiedene Ausläufer, die sich vor allem in Deutschland, Großbritannien und Frankreich entwickelten, fallen unter anderem in die Zeitspanne dieser Epoche: „Art Nouveau“, „Belle Époque“, „Victorian“, „Modern Style“, „Stile Floreale“, „Liberty“, etc. Die Zeit war durch viele verschiedene Dinge geprägt. Die industrielle Revolution veränderte die Lebensverhältnisse der Menschen drastisch. Neue Verkehrsmittel brachten die Möglichkeit, an Wochenenden dem städtischen Grau zu entfliehen. Schulpflicht und Geburtenregelungen sorgten für höhere Lebensstandards. Die Kirche, Könige und der Adel verloren immer mehr an Einfluss und Macht, wohingegen reiche Bürger sich diesem immer mehr annäherten. Eine neue Elite entstand.

DER STIL.

In Italien traf man es bei der Benennung des Stils auf den Punkt: „Stile Floreale“. Floristische Zierelemente wurden insbesondere in den Anfängen viel und gerne genutzt. Realistische Ausformungen von Blumen, Wurzeln, Lilien, Blüten, Schmetterlingen, Blattwerken und vielem mehr zierten Schränke, Stühle und Co. Mit der Zeit wurden diese Elemente immer geometrischer und rückten weg von der natürlichen Realität. Asymmetrien und neue Formen wie die des Ovals brachten eine neue Formgebung auf den Weg. Dynamische und schwungvolle Linien sind kennzeichnend für den Jugendstil. Die verwendeten Hölzer sind hochpoliert.


Art-Déco

DIE ZEIT.

Die Entstehung des Art Déco ist stark vom Ersten Weltkrieg geprägt. In seinem Höhepunkt, den 1920er und 1930er Jahren, wurde insbesondere unter den „Siegermächten“ ein Gefühl von Hoffnung und einer besseren Zukunft verbreitet. Dieses Gefühl vermittelte der Art Déco wie kaum eine andere Stilrichtung. Die Wirtschaft boomte. „Neureiche“ Industrielle bildeten eine komplett neue Gesellschaftsschicht, die, wie auch die wohlhabenden Erben, ihren Wohlstand zeigen wollte. Gleichzeitig machte sich jedoch Totalitarismus in Europa breit. Adolf Hitler, Benito Mussolini und Josef Stalin bestimmten mehr und mehr das Leben der Menschen. In Europa setzte der Zweite Weltkrieg dem Art Déco ein Ende. Der Stil entsprach nicht mehr den Sorgen und der Armut der Menschen in der Nachkriegszeit. In den USA hingegen lebte die Stilrichtung noch weiter und machte sich vor Allem in New York und Hollywood weiter breit.

DER STIL.

Dekadenz à la Great Gatsby: In den Golden Twenties, in denen der Art Déco unter anderem seinen Höhepunkt erfuhr, ging es edel und opulent zu. Überwiegend klare Linien bestimmten die Formen der Möbel. Die schlichte Form sollte wenig ablenken von der Hochwertigkeit der verwendeten Materialien wie Elfenbein, Rochenhaut, Bronze, Kristall, Emaille und Edelhölzer. Bezugsstoffe und Heimtextilien waren zumeist samtig und sehr fein verwebt wie beispielsweise Satin. Dekorative Objekte kamen auf. Die Industrie machte erste Massenproduktionen möglich und brachte aufgrund der einfachen Formen große Stückzahlen in die Regale der Kaufhäuser. Dabei wurden zwar weniger hochwertige Materialien eingesetzt, jedoch war es für die breite Masse erstmals möglich, sich auch dekorativ einzurichten. Das wohl bekannteste Beispiel hierfür ist die Achteckige Espressokanne von Alfonso Bialetti.


Bauhaus

DIE ZEIT.

Der erste Weltkrieg ist gerade verloren und in der Bevölkerung macht sich Orientierungslosigkeit und Arbeitslosigkeit breit. Die weltweite Industrialisierung ist im vollen Gange und die einst schnörkeligen Jugendstilmöbel werden schon längst nicht mehr in Handarbeit gefertigt. Stattdessen laufen die Verzierungen in Massenproduktion vom Band.
Das Staatliche Bauhaus (heute meist nur „Bauhaus“) entsteht 1919 in Weimar und kann als eine Art Gegenbewegung zu diesen „unehrlichen Verschnörkelungen“ gesehen werden. Den Bauhaus als eine Stilepoche zu sehen ist umstritten, da es sich hierbei mehr um eine Lehre durch die Vereinigung von Künstlern handelt. Mit dem Zusammenschluss der Großherzöglichen-Sächsischen Hochschule für Bildene Kunst und der Kunstgewerbeschule Henry von de Weldes gründet Walther Gropius die Kunstschule „das Staatliche Bauhaus“, die 1925 nach Dessau und 1932 nach Berlin umzog. Ziel war es Kunst und Handwerk mit der fortschreitenden Industrialisierung zu vereinen und nicht mehr traditionelles Handwerk mit Maschinen zu imitieren. Das Bauhaus wurde im Jahr 1933 durch die Nationalsozialisten geschlossen.

DER STIL.

Mit einer der wesentlichen Grundideen kann der Möbelstil der Bewegung am besten beschrieben werden: „Schön ist, was funktioniert.“ Die Nützlichkeit und Effizienz sind maßgebend für das Bauhaus-Design. Ästhetik und künstlerischer Ausdruck sollen in der Funktionalität des Produktes enthalten sein. Verschnörkelungen und Verspieltheit, wie man sie noch im Jugendstil sah, waren für Bauhaus-Vertreter „Verschleierungen“ des alltäglichen Zwecks und galten als „verlogen“. Ehrliche Möbel, die seriell hergestellt wurden, sollten den Lebensstandard der Menschen verbessern. Prunkvolle Wohnungen, die mager und kalt ausgestattet waren, sollten abgelöst werden, durch Funktionalität und einem neuen Verständnis von Kunst. Die Nützlichkeit und der Bezug zwischen Kunst und serieller Massenfertigung wird heute auch oft als Teil längerfristiger Strömungen, wie Funktionalismus, Klassische Moderne, Neue Sachlichkeit, Internationaler Stil und Bauen gesehen.


Midcentury

DIE ZEIT.

Der Midcentury Modern-Stil beschreibt einen Möbel- und Architekturstil der 1940er bis 1960er Jahre. Die Kriegsjahre waren überstanden und die Menschen sehnten sich nach Eleganz, Fortschritt und einem Leben, ohne ständig Sorgen haben zu müssen. Die Technologie entwickelte sich in windeseile und sorgte für einen wirtschaftlichen Aufschwung. Den Menschen ging es vor allem finanziell besser. Neben exklusiven Einzelfertigungen konnten sich auch immer mehr Leute hochwertige Serienfertigungen leisten. Das Credo von Charles und Ray Eames traf den Zahn der Zeit: „Vom Besten so vielen wie möglich so viel wie möglich für so wenig wie möglich.“

DER STIL.

Ornamente, Kringel und Schnörkel sucht man im Midcentury Stil vergeblich. Stattdessen besann man sich wie auch in der Bauhaus-Generation auf das Motto: „Form follows function!“ So bestimmt in erster Linie der Zweck die Form des Objekts und nicht umgekehrt. Gio Ponti (Italien), Jean Prouvé (Frankreich) und Dieter Rams (Deutschland) waren prägende Persönlichkeiten der Zeit und haben zur Vielfältigkeit der Stilrichtung beigetragen. Insbesondere aber hat der Stil in Skandinavien Fuß gefasst und es zu internationaler Popularität gebracht; Poul Henningsen, Arne Jacobsen oder Alvar Aalto sind bis heute gefragte Namen dieser Zeit und haben wahre Designklassiker hervorgebracht.

Antikolis-Gründer Daniel Kutzki und Frederik Astagneau.

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