Van-Story | So leben die Wavemates Viktor und Amo

Kurz vor dem zweiten Lockdown in fast ganz Europa habe ich mich nochmal auf nach Portugal gemacht, um mich über die dunklen Monate mit einer Portion Wärme, Liebe und Freude aufzuladen. Auf den Klippen von Nazaré, wo im Herbst die größten Wellen der Welt brechen, sind mir Viktor und Amo begegnet – genauer gesagt ihr beeindruckender Van, der im schwindenden Abendlicht auf dem Parkplatz heimelig leuchtete. Es stellte sich heraus, dass der Van zwei jungen belgischen Surfern und Touranbietern gehört, die ihre Wohnungen gegen ein Heim auf vier Rädern eingetauscht haben. Grund genug für eine außergewöhnliche HOME-Story mit den Wavemates.

Viktor, wie lange seit ihr schon mit dem Van unterwegs?

Seit Ende September. Wir hatten unser Surpfcamp in der Nähe von Bordeaux, wo es aber viel geregnet hat. Darum sind wir dem schönen Wetter hinterhergefahren und nach einem zweiwöchigen Roadtrip durch Spanien – wo es auch geregnet hat – hier in Nazaré gelandet. Jetzt sind wir seit einem Monat in Portugal.

War es geplant, die Bigwaves in Nazaré zu sehen?

Nicht wirklich. Wir waren in Lissabon und haben die Vorhersage gesehen. Da haben wir uns sofort auf den Weg gemacht.

Was habt ihr gemacht, bevor ihr den Van hattet?

Ich bin seit Juni mit dem Studium fertig, Amo hat als Projektmanager gearbeitet. Dabei haben wir uns kennengelernt, weil die Firma Studenten in High Hospitality, Service, Küche und so weiter ausbildet.

Womit verdient ihr euren Lebensunterhalt?

High Hospitality hat uns zusammengebracht, und im Prinzip ist es das, was wir als Wavemates tun: Mit unserer großen Leidenschaft für erstklassige Gastfreundschaft und unserem Surf-Wissen organisieren wir tolle Urlaube für Surfer und für diejenigen, die es lernen möchten. Geld verdient haben wir damit noch nicht, es war ein hartes Jahr, in dem wir unser Business erst aufgebaut haben. Aber jetzt geht es in Vollzeit richtig los mit unseren Surftrips.

War die Gründung von Wavemates eine Entscheidung, die ihr wegen der Corona-Einschränkungen getroffen habt?

Ja, das war definitiv eine Corona-Entscheidung, sowohl der Van als auch das Vollzeit-Surfen. Ich hatte gerade mein Praktikum in einem Museum in Leuven begonnen. Nach vier Tagen war alles vorbei, weil das Museum, wie alles andere in Leuven, schließen musste. In den folgenden eineinhalb Monaten habe ich begonnen, mehr mit meinen Freunden zu surfen, draußen am Strand, anstatt in meiner Wohnung in Belgien eingeschlossen zu sein. Da haben wir beschlossen, dass wir einen Van brauchen.

Unsere Surf-Camps, wie wir sie ursprünglich geplant hatten, funktionieren in Corona-Zeiten nicht. Das Risiko ist zu groß, dass alles abgesagt werden muss, und wir mit den aufgebauten Zelten, dem Essen und den ganzen Kosten dastehen. Jetzt mieten wir ein großes Haus, das wir nur dekorieren müssen, aber auch kurzfristig absagen können. Die Surf- und Yogalehrer kommen dorthin, es gibt gutes Essen, eine tolle Location. Die meisten Dinge, die wir für unsere Camps brauchen, haben wir in unserem Van.

War es nicht auch ein Risiko, Eure Wohnungen aufzugeben?

Für mich was das keine Option, in der Wohnung zu sitzen und nicht zur Arbeit gehen zu können, während draußen kein normales Leben mehr möglich ist. Ich kenne viele junge Leute, für die das schrecklich ist. Die werden depressiv, wenn sie nicht raus können. Ich würde jeden ermuntern, etwas Neues zu beginnen. Online kann man schließlich von überall arbeiten.

Das stimmt, Vanlife ist auch in Deutschland ein riesen Trend, und viele Menschen träumen davon. Euer cooler Van steht hier in Nazaré wirklich exponiert: Alle Türen weit geöffnet und so viele Leute, die Fotos gemacht und mit euch geredet haben …

Ja, wir sind noch nicht wirklich bekannt, wollen aber ein internationales Publikum erreichen. Wenn also solche Events wie dieses hier stattfinden, versuchen wir immer da zu sein. Wir sind einfach im Van und machen unsere Sachen, aber die Leute bleiben an dem Wagen stehen, schauen herein und wollen wissen, was wir tun. Auf diese Weise lernen wir sie kennen, anstatt nur eine Facebook-Anzeige zu schalten. Das funktioniert sehr gut, und es ist großartig, so viele Menschen zu treffen. Wenn wir tagsüber drinnen intensiv arbeiten, sind die Türen geschlossen, und der Wagen ist total unscheinbar.

Erzähl mal, wie ihr dieses Schmuckstück hinbekommen habt …

Es fing mit der Bar an: Sie gehörte zu unserem Surf-Camp in Frankreich, war komplett aus Holz und Zeltplane. Als das Event abgesagt wurde, haben wir die Bar auseinandergenommen und aus dem Material den ganzen Innenhausbau gemacht. 90 bis 95 Prozent des Vans ist recycled oder upcycled. Nachhaltigkeit ist uns extrem wichtig, einer unserer Grundwerte!

Zu zweit hat der Ausbau zehn Tage gedauert, mit zehn Stunden Arbeit pro Tag. Wir hatten kein professionelles Werkzeug und auch nicht viel handwerkliches Geschick. Darum mussten wir einige Dinge ausprobieren und neu zusammenbauen. Es laufen auch nicht alle Türen wie geschmiert, aber das macht den Charme des Vans aus.

Vorher | Nachher: Vom Lieferwagen zum rollenden Zuhause

Hat der Van irgendwelche versteckten Funktionen, oder lebt ihr tatsächlich nur mit den beiden Betten und der Bar?

An der Seite sind die Tafeln, die Besucher auf unseren Unternehmen aufmerksam machen sollen. Dann gibt es einen kleinen Tisch, den man hochklappen kann, als Erweiterung der Küche. Es gibt einige versteckte Schränke: Über der Fahrerkabine ist viel Platz für die ganze Elektronik, Batterien und Zeug, das wir nicht allzu oft brauchen. Unter den Betten ist erstaunlich viel Platz, das sind unsere Schränke. Auf dem Dach des Vans ist unsere Terrasse, die man von unten kaum sieht, weil sie so hoch ist.

Stimmt, von unten sieht man nur ein bisschen Kunstrasen …

Ja, der ist aus dem VIP-Zelt vom Tomorrowland-Festival im französischen Alpe d´Huez, wo ich vor zwei Jahren gearbeitet habe. Als das Festival vorbei war, wollten sie es wegwerfen, aber ich habe es mir geschnappt. Jetzt ist es die Unterlage für unsere Dachterrasse.

Solarpaneele habt ihr auch!

Ja, wir haben zwei große 300-Watt-Paneele, die viel Energie produzieren, zwei Blockbatterien und einen Inverter, der die Energie der Zwölf-Volt-Batterie für die 220-Volt-Stecker umwandelt. Denn unser Kühlschrank und unsere ganzen elektronischen Geräte sind ganz normale Geräte. Wir haben sie nicht speziell für den Van gekauft.

Wie habt ihr eigentlich das Holz befestigt? Man kann ja nicht einfach in den Van bohren …

(lacht) Doch, genau das haben wir gemacht. Einmal haben wir es versaut, aber eigentlich hat es ganz gut geklappt. Wir hatten Glück: Der Van gehörte einer Plexiglas-Firma und hatte überall an den Seiten diese Löcher und Holz. Dort konnten wir gut hineinbohren. Für die Dachterrasse konnten wir in die Verstärkung des Wagens bohren. Man kann das vermutlich nie wieder rückgängig machen.

Habt ihr in den Boxen richtige Matratzen?

Nein, wir schlafen tatsächlich auf diesen Kissen, um diesen schönen Look wie in einem Wohnzimmer zu haben. Das ist schon hart, aber nach einem anstrengenden Tag kann man überall schlafen.

Vielen Dank für das schöne Interview, Viktor!

Die Wavemates freuen sich sehr über Follower auf Instagram!

Kontakt zu den Wavemates findet ihr hier:
https://www.wavemate.eu
surf@wavemate.eu

Alle Fotos: Wavemates

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